Ganz im Zeichen der bevorstehenden Kommunalwahlen stand der Neujahrsempfang des Kitzinger Kreisverbandes der Grünen. Die Rathaushalle war mit knapp 100 Gästen gut gefüllt, Hauptrednerin war die bayerische Landesvorsitzende Gisela Sengl. Dank eines anhaltenden Mitgliederzuwachses konnten die Grünen nicht nur eine vollständige, zu gleichen Teilen mit Frauen und Männern und mit vielen jungen Leuten auf aussichtsreichen Plätzen besetzte Kreistagsliste aufstellen, sondern auch drei neue Stadtratslisten: in Iphofen, Marktbreit und Schwarzach. Die Kreisvorsitzenden Jutta Reck und Julian Glienke gingen in ihrer Begrüßung auf die aktuelle Weltlage ein, angesichts derer weder Pessimismus noch naiver Optimismus angemessene Haltungen seien, sondern „Possibilismus“: Schauen, was möglich ist, und es dann tun. Gisela Kramer-Grünwald, Spitzenkandidatin für die Kreistagsliste, fand in ihrem anschließenden Redebeitrag gute Gründe, um zuversichtlich zu sein – etwa den gewaltigen Zubau von Solarenergiekapazität in der Welt, insbesondere in China. Zwei Themen sind ihr im Landkreis besonders wichtig: ein guter öffentlicher Nahverkehr und eine humane Migrationspolitik, für die sie sich bereits vielfältig einsetzt. Jan Schneider, 25 Jahre jung, der auf Platz zwei der Kreistagsliste kandidiert, sprach die häufig unsichere Situation junger Menschen an. Junge Menschen müssten gehört werden, sie brauchen Vertretung auch in den Räten und dadurch die Möglichkeit, zukunftsfähige Politik mitzugestalten, so seine engagierte Forderung.
Drei Bürgermeister-Kandidaten stellen die Grünen für diese Kommunalwahlen: Klaus Sanzenbacher für Kitzingen, Rainer Fell für Iphofen und Stefan Schwarz für Seinsheim. Was Politik, die nach vorne schaut, für ihre Gemeinde jeweils heißt, das erläuterten die drei Bürgermeister-Kandidaten in ihren Grußworten. Die Hauptrede hielt zum Abschluss Gisela Sengl, die wegen einer nicht ganz reibungslosen Bahnanreise aus Oberbayern leicht verspätet kam. Sie hielt ein engagiertes Plädoyer für Lust auf Politik, für die Demokratie: „Demokratie braucht aktive Menschen, die sich einmischen, die mitreden, die miteinander reden! Und sie braucht auch Menschen, die Verantwortung übernehmen und nicht immer die Schuld auf andere schieben. Demokratie muss gelebt werden und nicht nur konsumiert.“ Nicht Extremisten seien die größte Gefahr für die Demokratie, sondern der Umgang mit ihnen: wenn demokratische Parteien ihre Sprache übernehmen, wenn sie ihr Gedankengut normalisieren. Wenn die demokratischen Parteien dem Extremismus klare Bekenntnisse zur Menschenwürde und zu einem respektvollen Miteinander entgegensetzten, dann sei die Bedrohung beherrschbar. Der nun schon 80jährige Frieden in Europa sei es wert, darauf stolz zu sein und anzupacken, um ihn zu erhalten, so Sengl abschließend.
Für die musikalische Umrahmung sorgte der Liedermacher Erik Stenzel mit Liedern, die zum Nachdenken anregten, aber auch Zuversicht verbreiteten, etwa wenn er die Verhaltensweisen von Fischschwärmen aufgriff, bei der einzelne Fische oft dem Schwarm eine neue Richtung geben könnten. Ein vielfältiges Büffet, von grünen Mitgliedern zusammengestellt, erfreute nach den Reden noch die Anwesenden beim lockeren Beisammensein.